Die Besteigung des Moldoveanu gipfel

Die Besteigung des Moldoveanu

In den rumänischen Karpaten: Die Besteigung des Moldoveanu von der Podragu-Hütte aus.

Der Moldoveanu mit Iulian Cozma in zwei Tagen (September 2009)
Für Westler liegt Rumänien etwas ‘grau’ im Osten, das trägt – wie bei jeder ernsteren Bergtour – zur Spannung bei, wird alles klappen oder bleibt der Gipfel fern? Weil Iulian englisch spricht, seine Frau und Mitarbeiterin Rosana deutsch, werden alle Unklarheiten schon in der Vorbereitung per Email bedacht. Dieser prima Service bleibt während der ganzen Tour. Nach der Ankunft in Braşov/Kronstadt war es regnerisch, so musste die Tour um einen Tag verschoben werden. Erstaunlich: Iulian wurde zum kenntnisreichen Stadtführer einer 3,5stündigen Stadtbesichtigung (ohne einen Leu mehr zu berechnen!). – Um 11 Uhr stehen wir am markierten Pfad und gehen 6 Stunden erst durch viel Laubwald, dann Nadelwald, dann über Matten bis zur Podragu Hütte auf 2186 m. Der Wald wirkt herrlich wild, dabei ist der Weg gut, selten etwas ausgesetzt – trittsicher sollte man sein, die Karpaten sind ein alpines Gebirge. 2544 m ist der Moldoveanu hoch, 300 m höher als die Hütte, das ginge man in den Alpen in einer guten Stunde. Das Hinweisschild bei der Hütte sagt 2,5 – 3 Stunden. Grund – auch für den relativ langen Anmarsch – ist, dass hier das Gebirge erfreulicher-weise nicht so total erschlossen ist wie die Alpen, wo fast jeder bedeutendere Gipfel (4000er evtl. ausgenommen) direkt von einem höhergelegenen Parkplatz in Tagestouren zu erreichen ist. Bemerkung zu den Zeitangaben auf den Wegweisern: Sie sind knapper bemessen als in den Alpen. Von der soliden Hütte, die mit Alpenhütten mithalten kann, wobei die Wirtin nicht nur deutsch spricht, sondern als Besitzerin sich auch mehr sorgt als mancher Alpenwirt, was wohl auch daran liegt, dass der Andrang und somit der Stress nicht so ‘alpin’ ist. Weil der 18 m tiefe Hüttensee nicht bis auf den Grund durchfriert, leben sogar Forellen darin. Das Entlegene, die wirkliche Ruhe der Berge sind die Besteigung wert; selbst die Gämsen sind scheuer, halten größere Distanz als in den Alpen, von den Bären sieht man nur den ‘Schitt’. Erfreulich, bei der Moldoveanubesteigung ist: der 3.höchste Berg Rumäniens Viştea Mare ist Zugabe; alles auf guten und sicheren Wegen, so dass man die weite Bergwelt geniessen kann. Vom Viştea geht es über den Verbindungsgrat auf den ersehnten höchsten Karpatengipfel außer der Tatra. Hier finden sich zwei ganz kurze Kletterstellen der Schwierigkeit I nach Alpenvereinsmaßstab, was nur heißt, dass jetzt die Hände einzusetzen sind. Da Iulian ein Profi mit der Kamera ist, wurden auf dem Weg, oft unbemekt, und werden auf dem Gipfel viele Fotos gemacht, die ich gerne zur Erinnerung annehme. Der sehenswerte Rückweg durchs Viştea Mare Tal fordert meine ruheständlerische Flachländlerkondition, so dass ich den kommenden Muskelkater stolz abgehen werde.
Heinz-G. Kattlack, Norderstedt (Schleswig-Holstein)

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